Kirchen am Mühlenweg

25 Jahre Mühlenweg - eine erstaunliche Erfolgsgeschichte für den rund 18 km langen Rundwanderweg an der Landkreisgrenze von Kulmbach und Hof. Heute "verbindet" er den Schlackenmühlbach, Rauschbach, Steinach, Rehbach und Vollaufbach miteinander. Doch wie sah es vor 50 oder gar 200 Jahren am Mühlenweg aus? Einen durchgehenden Weg o-der Steig zwischen den einzelnen Mühlen gab es nicht. Meistens lagen auch die Müller mit ihren Nachbarn aus wasser- und fischereirechtlichen Gründen in Streit. Die lebensnotwendigen Verbindungswegeführten hinauf zu den großen Bauernhöfen in den Dörfern, von wo auch das nötige Getreide angeliefert wurde.

Nach der Zerschlagung des "Römischen Reiches Deutscher Nation" durch Napoleon - verbunden mit dem Ende der Lehensherrschaft - und dem Anschluss an Bayern wurden viele selbstständige, kleine Gemeinden gegründet, die wirtschaftlich autark sein mussten. So war es im Dorf das Ziel, neben einer eigenen Gastwirtschaft auch eine eigene Mühle zu betreiben. Natürlich mussten die technischen Voraussetzungen vorhanden sein. Es gab also auch zwischen den Gemeinden einen scharfen Wettbewerb um die Kundschaft. So lagen nicht nur die Müller untereinander im Streit, sondern auch die Dorfbewohner. Und Dörfer als selbstständige Gemeinden gab es bis zur Gebietsreform mehr als genug! Allein 12 am Mühlenweg! Unter sich waren diese oft zerstritten. Heute grenzen nur die StadtHelmbrechts und die Märkte Grafengehaig, Presseck und Marktleugast an den Mühlenweg - ohne den geringsten Streitpunkt.

Viel schlimmer für die einheimische Bevölkerung war jedoch der über Jahrhunderte sich hinziehende Konfessionsstreit der katholischen Pfarreien Marienweiher und Enchenreuth mit den evangelischen Pfarreien Grafengehaig und Presseck. Nicht nur von der Kanzel wurde gegen den jeweils anderen Glauben "gewettert", auch in den Wirtshäusern wurde oftmals kräftig gestritten, wobei es nicht selten in Schlägereien ausartete. Noch vor 50 Jahren wäre es unvorstellbar gewesen, wenn ein katholischer Bauernsohn aus Hinterrehberg eine evangelische Bauerntochter aus Weiglasgeheiratet hätte, obwohl sie praktisch Nachbarn und nur durch das Rehbachtal getrennt waren.

Diese Intoleranz in Glaubensfragen war auch im Schulwesen zu spüren. So mussten die Kinder im „Dreiländereck" (Die 3 Häuser der Mesethmühle gehörten zu den Gemeinden Walberngrün, Schlockenau und Horbach), je nach ihrer Konfessionszugehörigkeit, verschiedene Schulen besuchen: Die Mühle gehörte nachWalberngrün,; waren die Kinder evangelisch, mussten sie dort in die Schule, waren sie katholisch, hatten sie den weiten Weg nachEnchenreuth zurückzulegen, genauso wie die Nachbarskinder vom Bromenhof. Die dortigen evangelischen Kinder mussten dagegen nach Eppenreuth. Noch kurioser gestaltete sich die Situation für die Kinder des Weberhauses: Die evangelischen mussten nach Horbach, die katholischen gar nach Hohenberg in die Schule gehen!

Heute kann man darüber nur noch den Kopfschütteln. Damals war das aber gelebte Wirklichkeit. Nur durch Toleranz - und zwar auf beiden Seiten - konnte dies in der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts überwunden werden. Das musste nicht so kommen, wenn man zum Beispiel die Bilder aus Nordirlandsieht, wo Kinder auf ihrem Weg zur Schule mit Steinen beworfen werden, nur weil sie einem anderen Glauben angehören. Welch ein kranker Fanatismus!

Das wichtigste zur Überwindung dieser Intoleranz ist Vertrauen und das Kennenlernen und die Tolerierung der anderen Meinung. Aus diesem Grund wollen wir auch einen kleinen Beitrag leisten und durch Wanderungen und Kirchenführungen zwischen den 4 Pfarrkirchen von Grafengehaig, Marienweiher, Enchenreuth und Presseck (siehe Wandervorschläge) ein noch besseres, gegenseitiges Verständnis ermöglichen.

Richard Seuß

So erreichen Sie uns:

Stadt Helmbrechts
Luitpoldstr. 21
95233 Helmbrechts

Telefon (09252) 701-0
Telefax (09252) 701-11

info@stadt-helmbrechts.de

Öffnungszeiten

Rathaus
Rathaus ab 02.05.2017
Mo-Mi08.00-14.00 Uhr
Do08.00-17.30 Uhr
Fr08.00-12.00 Uhr

 

Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Helmbrechts:
HS Lokal


Imagefilm der Stadt Helmbrechts:
Filmpräsentation „Helmbrechtser Perspektiven“