Sagen rund um Helmbrechts

Der späte Gast

Um Mitternacht steht eine vermummte Gestalt vor der Stadt und pocht dreimal an das Tor. Der Wächter, der im Stübchen darüber wohnt, schreckt aus dem Schlaf, öffnet das kleine Fenster und ruft hinunter: "Hallo, wer begehrt zu solch später Stunde noch Einlass?" Mit hohler Stimme kommt die Antwort: "Frag nicht, schließ auf - ich habe Eile!" "Eile", denkt der Wächter, schüttelt den Kopf und stolpert mit seiner Laterne die steile Treppe hinunter. Er öffnet das Tor nur einen Spalt und leuchtet dem späten Gast ins Gesicht - der Tod!
Da fällt dem Torwächter die Laterne aus der Hand, und leblos stürzt er zu Boden. Stumm steigt der Fremde über den Toten, schreitet durch Straßen und Gassen. Da und dort klopft er an die Fensterläden, einmal, zweimal und mehrmals. Der alte Nachtwächter hat ihn gesehen.
Als die Sonne über die Berge steigt, liegen die ersten Toten in der Stadt, und täglich fordert die Pest neue Opfer.

Diese Geschichte soll sich in Helmbrechts anno 1555 zugetragen haben.

Literatur: Heinrich Greim - Otto Knopf
„Bebilderte Sagen aus dem Frankenwald" - Geiger-Verlag, Horb am Neckar

Bei der Einmündung der heutigen Torgasse in die Luitpoldstraße in Helmbrechts stand das obere Tor. Bei seinem Abbruch im Jahre 1811 entdeckte man Spuren ehemaliger Aufzugsbrücken, die mit Ringmauer und Stadtgrabenteich die einstige Stadtbefestigung bildeten. Die Pest wütete in Helmbrechts und Umgebung vor allem in den Jahren 1445 und 1555. Die Erscheinung eines "späten Gastes" am oberen Tor nach der Sage deutet darauf hin, dass man sich die Entstehung der verheerenden Seuche nicht anders erklären konnte. 



Das Pestwölkchen 

bild_wolken_sage_wuestenselbitz_web.jpg Grausam zog der „schwarze Tod" durch den Frankenwald und forderte Männer, Frauen und Kinder. In Dörfern und Städten häuften sich die an der Pest Verstorbenen, die meist nachts auf den Gottesackern beerdigt wurden. Nur das Dorf Selbitz, später Wüstenselbitz genannt, blieb wie durch ein Wunder verschont. 

Dort saß an einem sonnigen Herbsttag ein Bauer in seiner Scheune und worfelte Getreide. Das war keine leichte Arbeit. Mit der kurzen, hölzernen Wurfschaufel mussten die Körner in geübtem Schwung über die Dielen gestreut werden. Je schwerer die Körner waren, desto weiter flogen sie, die Spreu und die kleinem Körner fielen rasch zu Boden. So wurde damals das Getreide gereinigt. 

Der Bauer ermüdete bei seiner Arbeit, der Arm tat ihm weh. Er stand auf, trat unter das Scheunentor und blickte die Dorfstraße hinab. Da machte er eine seltsame Entdeckung. Ein kleines, blaues Rauchwölkchen zog auf die Scheune zu. Es tanzte hin und her, kam näher und näher, schlüpfte in ein Astloch des Scheunenbodens und blieb darin verschwunden. 

"Ei", sprach der Bauer zu sich, dich werd ich einsperren. Wohl hast du recht lustig ausgesehen, aber in diesen Zeiten kann man keiner Sache so recht trauen, denn der Schrecken geht um im Land." Eilends pflockte er das Loch mit einem Stückchen Holz so dicht zu, dass nichts entweichen konnte. 

Ein Jahr später saß der Bauer wieder beim Worfeln. Da fiel ihm die Geschichte mit dem Rauchwölkchen ein. Er wurde neugierig und fragte sich: "Ich muss doch einmal nachsehen, ob das Wölkchen noch im Astloch steckt." Behutsam und voller Spannung zog er den Pflock heraus. O Schreck, da kam ihm ein schwarzer, stinkender Qualm entgegen! Der Bauer konnte kaum mehr atmen, so schwer legte sich der Rauch auf seine Lunge. Mit letzter Kraft schleppte sich der Mann ins Haus - und nach drei Tagen lag er auf der Totenbahre. 

Mit dem Wölkchen war die Pest im Dorf eingekehrt und raffte alle Bewohner hinweg. Nur ein Mädchen und ein Junge sollen überlebt haben in jenem Schreckensjahr 1445. 

Literatur: Heinrich Greim - Otto Knopf
„Bebilderte Sagen aus dem Frankenwald" - Geiger-Verlag, Horb am Neckar



 

Die schwarze Hand

sage3gr.jpgAuf der Höhe unweit des Dorfes Lehsten hütete einst ein Mädchen Gänse. Es saß an einem Feldrand und blickte gedankenlos in die Ferne. Da war ihm plötzlich zumute als ob es am Rücken berührt würde Erschreckt drehte es sich um und gewahrte eine schwarze Hand, die sich aus dem Boden streckte und nach ihm langte. Das Kind lief nach Hause und erzählte dieses Erlebnis seinen Eltern. Der Vater aber schalt es und schenkte den Worten keinen Glauben. Dennoch wollte er sich überzeugen und begab sich mit seiner Tochter an die von ihr erwähnte Stelle. In der Nähe des Weideplatzes hielt das Mädchen plötzlich inne, zeigte in eine bestimmte Richtung und keuchte: "Vater, dort ist die schwarze Hand. Sie kommt aus dem Boden ... und jetzt ist´s gar ein schwarzer Mann. Er kommt auf mich zu! Der Vater aber sah nichts. Das Kind wurde immer ängstlicher zitterte am ganzen Körper und hielt beide Hände vor sich, als wolle es jemand abwehren. Dann sank es wie Ieblos zu Boden - und nach drei Tagen mussten sie es begraben. Immer, wenn ein Unglück naht, treibt das Mädchen seine Gänse über die Felder. Gar viele wollen es schon gesehen haben.
Literatur
Heinrich Greim – Otto Knopf
"Bebilderte Sagen aus dem Frankenwald" - Geiger-Verlag, Horb am Neckar

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