Pressemitteilungen
Lebendiges Erinnern in und um Helmbrechts
Beschreibung
Am 13. April 1945 wurde das Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg in Helmbrechts geräumt, weil amerikanische Truppen heranrückten. Ab diesem Tag begann für rund 1.170 Frauen ein Todesmarsch ins 250 Kilometer entfernte Volary in Tschechien. Dieses schmerzvolle historische Ereignis verbindet die beiden Städte Helmbrechts und Volary seither.
Für Bürgermeister Pöhlmann, der diese Erinnerungskultur seit seinem Amtsbeginn vor 18 Jahren sehr pflegt, war es ein wichtiges Anliegen durch eine Informationstafel das Gedenken in Helmbrechts sichtbar zu machen. So wurde jetzt eine Tafel am Kreuzungsbereich der Kulmbacher Straße und Ringstraße enthüllt. Diese Tafel trägt den Namen „Gegen das Vergessen“ und ist nur wenige Meter neben dem damaligen offiziellen Eingang des Außenlagers platziert. Bürgermeister Pöhlmann freute sich über die große Anteilnahme von rund 50 Personen bei der Tafelenthüllung und betonte wie spürbar lebendig die Erinnerung dadurch werde. Man müsse und wolle sich erinnern, ließ man doch zu viel Zeit vergehen, um sich damit aktiv auseinanderzusetzen. Er sprach deutlich aus, dass diejenigen, die dies bis heute nicht akzeptierten die Geschichte und Demokratie nicht verstanden hätten. Er dankte den anwesenden Stadträten, dem Verein Gegen das Vergessen sowie Pfarrer Schmidt und Diakonin Twisselmann, die die Gedenkveranstaltungen ohne Ausnahme begleiteten. Des Weiteren bedankte er sich bei Lena Grießhammer als Leiterin des Textilmuseums, die dieses Projekt federführend umsetzte, beim Baubetriebshof für die Aufstellung und Aufbereitung der Tafel und bei den zuarbeitenden Bürgerinnern und Bürgern, Reiner Hofmann, Klaus Rauh und Familie Hoch, die mit ihrem Wissen und Fotos zur Inhaltsaufbereitung wesentlich beitrugen.
Für Lena Grießhammer war diese Aufgabe nicht nur aus beruflicher, sondern auch aus persönlicher Sicht eine bedeutende. Sie möchte darauf hinweisen, wie die Textilindustrie in die NS-Zeit verstrickt war und dies im Textilmuseum aufarbeiten und sichtbar machen. Klaus Rauh las eine Erzählung ehemaliger inhaftierter Frauen vor und bedankte sich bei der Stadt Helmbrechts für den offenen Umgang mit dieser Vergangenheit.
Bürgermeister Pöhlmann beendete mit einem Zitat von Martina Pospíšilová, Bürgermeisterin von Volary, die zum Gedenktag im letzten Jahr mit einer Delegation Helmbrechts besuchte: „Wir haben den Schmerz nicht vergessen – aber wir können ihn hinter uns lassen, um in Frieden weiterzugehen. Unsere Aufgabe ist es, diesen Frieden an die Jugend weiterzugeben. Mögen in Zukunft nur noch Tränen der Freude fließen. Dafür kämpfen wir.“
An der Gedenkveranstaltung sowie beim anschließenden Konzert in der Friedhofskapelle mit den Liedermachern Jens Bühring und Philipp Wiechert zeigten rund 80 Personen ihre Anteilnahme und Solidarität gegenüber den Mädchen und Frauen des Außenlagers Helmbrechts und darüber hinaus all den zu Unrecht verurteilten Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Bürgermeister Pöhlmann bedankte sich für den großen, überwältigenden Zuspruch und brachte klar zu verstehen, dass nicht nur die Menschen, die diese grausame Zeit verharmlosen möchten mehr werden, sondern, dass vor allem der Personenkreis größer werde, der sich traut Nein zu sagen. Die Erinnerungskultur, initiiert durch den einstigen Helmbrechtser Bürgermeister Keimel und Walter Schlosser, soll weiterwachsen und die Verbindung zu Volary gepflegt werden. Wichtig sei, die Begegnungen nicht nur aus der Vergangenheit, sondern eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. So griff er Passagen aus der jüngsten Rede von Hape Kerkeling auf, der bei der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald über seinen dort inhaftieren Großvater sprach: „So etwas wie eine „Gnade der späten Geburt“ gibt es nicht, es gibt nur die Pflicht der späten Erkenntnis. Wer heute behauptet, die Geschichte des Faschismus in Deutschland sei ein abgeschlossenes Kapitel, der hat nicht verstanden, dass die bösen Geister von damals nicht in den Ruinen von Buchenwald geblieben sind. Sie warten darauf, in verunglimpfender Sprache, bösartiger Hetze, im dumpfen Ressentiment und in der alltäglichen Gleichgültigkeit wieder geweckt zu werden. Wer die Erinnerung an die Opfer als Belastung empfindet, vergisst, dass diese Erinnerung das Einzige ist, was uns vor einer Zukunft als Täter schützt. Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen! Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.“
Hartmut Hendrich und Francesca Hilgner, vom Verein Gegen das Vergessen, appellierten an die Menschen selbst aktiv zu werden und machten deutlich: „Erinnern ist das Gedächtnis der Gesellschaft, in der wir leben.“
Ehe das Gedenken in der Friedhofskapelle fortgesetzt wurde, sprach Pfarrer Schmidt am Gedenkstein ein gemeinsames Gebet. Die Schülerinnen Katharina Knarr und Sophia Knoll der Realschule Helmbrechts trugen vor dem Konzert das Gedicht „Von Guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer vor.



